Die Kalkarten und ihre Unterschiede
von Admin
Nicht aus allen Kalkarten lassen sich Naturkalkputze herstellen
Kalk ist einer der ältesten Baustoffe der Welt – doch Kalk ist nicht gleich Kalk. Je nach Rohstoff, Tonanteil und Brenntemperatur entstehen unterschiedliche Kalkarten mit sehr verschiedenen Eigenschaften.
Wer Naturkalkputz einsetzen möchte, sollte die Unterschiede zwischen Luftkalk, natürlich hydraulischem Kalk (NHL) und hydraulischem Kalk kennen. Denn nicht jede Kalkart eignet sich für die Herstellung hochwertiger, diffusionsoffener Naturkalkputze.
Welche Kalkarten gibt es?
Grundsätzlich unterscheidet man drei Hauptarten:
-
Luftkalk (CL)
-
Natürlich hydraulischer Kalk (NHL)
-
Hydraulischer Kalk
Die Unterschiede ergeben sich aus dem verwendeten Gestein – Kalkstein, Kalkmergel oder Mergel – sowie aus der Brenntemperatur.

1. Luftkalk
Luftkalk wird aus sehr reinem Kalkstein (über 95 % Calciumcarbonat) gebrannt. Er erhärtet ausschließlich durch Karbonatisierung, also durch die Aufnahme von CO₂ aus der Luft.
Eigenschaften von Luftkalk:
-
Sehr hohe Diffusionsoffenheit
-
Hohe Elastizität
-
Schimmelhemmend durch hohen pH-Wert
-
Sehr gutes Feuchtemanagement
-
Langsame Aushärtung
Luftkalk ist ein vieler Orts verfügbarer und für die Herstellung industrieller Kalkputze beliebter Ausgangsstoff. Da die Aushärtung jedoch sehr langsam erfolgt, nur geringe Druckfesten erreicht werden und Luftkalk stark schwindet, was zu hohe Rissneigung führt, wird Luftkalk meist mit hydraulischen Zuschlägen vermengt.
Diese Zuschläge sind meistens Zement.
2. Natürlich hydraulischer Kalk (NHL)
Natürlich hydraulischer Kalk entsteht aus Kalkstein mit natürlichen Ton- und Kieselsäureanteilen. Beim Brennen entstehen aus diesen Anteilen natürlich hydraulische Phasen. NHL bindet somit auch unter Wasser ab.
Kalksteinvorkommen dieser Art sind selten und werden nur von wenigen Herstellern zur Produktion von Putzen-und Mörteln verwendet.
Eigenschaften von NHL:
-
Mittlere Druckfestigkeit
-
Gute Flexibilität
-
Hohe Diffusionsoffenheit
-
Schnellere Aushärtung als Luftkalk
NHL eignet sich auf Grund seiner natürlich hydraulischen Eigenschaften zur Produktion vollständig ökologischer Naturkalkprodukte ohne den Einsatz synthetischer Zuschläge oder von Zement.
3. Hydraulischer Kalk
Bei hydraulischem Kalk handelt es sich um ein Mischbindemittel aus Kalk und Puzzolanen, meist Zement. Hydraulische Kalke sind keine in der Natur auftretenden Materialen, sondern es handelt sich um performance-optimierte Mischungen.
Eigenschaften:
-
Hohe Druckfestigkeit
-
Geringere Elastizität
-
Schnellere Aushärtung
-
Reduzierte Diffusionsoffenheit
Kalkputze auf Basis hydraulischer Kalke eignen sich hervorragend für technische Anwendungen bei denen Preis, Aushärtungsdauer und Druckfeste entscheidenden sind. Durch die Zugabe von Puzzolanen verringern sich jedoch die natürlichen, positiven Eigenschaften im Vergleich zu Naturkalkputzen.
Warum ist Diffusionsoffenheit so wichtig?
Ein zentraler Vorteil von Naturkalkputzen ist ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben.
Je höher der hydraulische Anteil, desto dichter wird das Material – und desto geringer ist die sogenannte Dampfdurchlässigkeit.
Gerade im Bestand oder in der Denkmalpflege ist eine hohe Diffusionsoffenheit entscheidend, um:
-
Feuchteschäden zu vermeiden
-
Schimmelbildung vorzubeugen
-
Bausubstanz zu schützen
Fazit: Die Wahl der Kalkart entscheidet
Nicht aus allen Kalkarten lassen sich hochwertige Naturkalkputze herstellen.
Während Luftkalk elastisch ist und atmungsaktiv sind, eignen sie sich nur bedingt für die Herstellung von Mörteln und Putzen. NHL-Systeme bieten einen Kompromiss zwischen Festigkeit und Atmungsaktivität und kommen ohne weitere Zuschläge aus. Stark hydraulische oder zementhaltige Systeme hingegen sind dichter und weniger flexibel, dafür einfach und schnell zu Verarbeiten.
Wer auf ein gesundes Raumklima und nachhaltige Baustoffe setzt, sollte genau prüfen, welche Kalkart verwendet wird.
